Je suis...Charlie?

Ob ich Charlie bin? Nein, bin ich nicht. Die Attentate in Paris haben mich genau so schockiert und bewegt wie jeden, der ein Schild mit "Je suis Charlie" hochhält oder auf Facebook die Seite liked. Ich bin für die Presse- und Meinungsfreiheit und gegen Terrorismus. Trotzdem ist mir nicht wohl bei dem Gedanken, mir "Je suis Charlie" auf die Fahnen zu schreiben. Obwohl ich mich mit den Opfern der Anschläge auf jeden Fall solidarisiere. Ich hatte aber das Gefühl, dass der Spruch sich zu schnell und zu selbstverständlich verbreitet hat und von vielen angenommen wurde, ohne darüber nach zu denken. Außerdem bin ich der Meinung, dass die Zeitung Charlie Hebdo nicht einfühlsam genug mit ihren Karikaturen umgegangen ist. Damit meine ich nicht, dass die Karikaturisten in irgendeiner Weise Mitschuld daran tragen, was passiert ist. Ich finde einfach, dass die Beziehungen zwischen Kulturen heutzutage oft sehr sensibel und zerbrechlich sind. Und Karikaturen von Mohammed mit ihm in den Mund gelegten Zitaten überschreiten eine Grenze, weil damit die Gefühle von religiösen Muslimen verletzt werden könnten. Ob ein Muslim sich dadurch verletzt fühlt, ist individuell abhängig. Aber allein die Möglichkeit zeigt für mich, dass nicht sensibel genug gehandelt wurde. Charlie Hebdo wurde 2006 vom französischen muslimischen Dachverband wegen der Karikaturen angeklagt. Da sieht man ja schon, dass französische Muslime nicht einverstanden waren mit der satirischen Darstellung ihres Propheten. Die Zeichnungen gehen zwar nicht gegen Muslime an sich, sondern gegen radikalisierte Terroristen (und da gibt es natürlich DEN Unterschied überhaupt, den viele leider nicht verstehen), und doch kann ich verstehen, dass manche sich über die Karikaturen aufgeregt haben. Auf der anderen Seite bin ich dafür, sich in der Presse und in allen Medien gegen Terrorismus zu äußern. Aber vielleicht waren diese bildlichen Darstellungen von Mohammed nicht der richtige Weg. Und deshalb bin ich nicht Charlie.

14.1.15 16:50, kommentieren

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Vergessen

Heute habe ich eine Stunde Klavier gespielt. Es ist so schön, sich jetzt hier zuhause einfach dran setzen zu können. Allerdings wusste ich am Anfang gar nicht mehr, wo welche Note ist und musste googlen! Besonders im Baßschlüssel hatte ich Probleme.
So ist das mit unserem Gehirn: Wiederholt man etwas nicht ständig, vergisst man. Unangenehm kann das in einer Prüfung werden oder vor dem Geldautomat. Ja, ich habe es schon einmal geschafft, meine Karte zu sperren, weil ich drei mal den falschen Pin eingegeben habe. Im Alter kann Vergessen sogar eine Krankheit, Alzheimer, bedeuten und gefährlich werden. Ich bin Krankenschwester und habe viele Menschen mit Alzheimer kennengelernt. Je nach Stand der Krankheit wussten sie nicht einmal mehr, was sie mit einem Waschlappen oder einer Zahnbürste anfangen sollten. Sie sind vollständig auf fremde Hilfe angewiesen und können sich, wie kleine Kinder, nicht versorgen. Eine unheimliche Vorstellung, finde ich.
Vergessen kann aber auch gut sein und heilsam für die Seele. 'Die Zeit heilt alle Wunden' heißt es doch. Ich bin froh, dass ich so einige Details aus meinem Leben nicht mehr im Kopf habe. So kann ich unbeschwerter im Hier und Jetzt leben. Ich glaube, dass Vergessen ein wichtiger Teil von uns ist, der uns ermöglicht, in Frieden mit uns selbst zu leben. Was für mich noch dazu gehört, ist Vergebung. Wenn ich jemandem innerlich vergebe, dass er mich schlecht behandelt hat, habe ich den Blick frei für schöne Dinge im Leben. Natürlich kommt es darauf an, was passiert ist, wie schnell ich vergeben kann. Nicht zuletzt muss man sich selbst vergeben. Ich muss mir oft eingestehen, dass ich unpünktlich, verplant und sensibel bin. Aber weil ich mir diese Dinge vergebe, komme ich mit mir selbst gut klar. Meistens jedenfalls :-) Denn immer klappt das auch nicht, aber das ist auch ok, denn ich bin nicht perfekt... Ihr merkt schon, es läuft wieder auf die Selbst-Vergebung zurück!
Es macht Spaß, diese Gedanken hier so auf zu schreiben und zu teilen. Ich hoffe, dass ich weiter an meinem Blog-Vorsatz festhalte.
Bis bald also und einen guten Start in die Woche,
Sonja

4.1.15 19:23, kommentieren